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Weinberge im Herbst, Castelnuovo Berardenga, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Reiseroute im Sienesischen Chianti

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Aus Siena über die Schellstrasse SR222 gelangen sie auf Castellina in Chianti. Oder können sie die florentinische Rundfahrt weiterfahren, von San Donato in Poggio bis zum Castellina in Chianti.

Castellina in Chianti liegt in wunderschöner Lage auf einem Hügel in der Mitte drei schönen Täler Val d’Arbia, Val d’Elsa und Val Pesa. Das Gebiet gehört zum ganzen Teil zum Chianti Classico. Castellina zählt zu den wichtigsten Zielen von Chianti, und ist eine schnell wachsende touristische Ortschaft. Aus Etruskisch-Römischen Ursprung, wurde das Dorf im XI Jahrhundert zuerst ein Lehen der Adelsfamilie von Trebbio, und später eine wichtige Garnisonsstadt der Florentiner. Im XIII Jahrhundert wurde es zur Hauptstadt der alten Chiantibund gewählt. In den folgenden Jahrhunderten erfuhr es unzählige Plünderungen, deshalb wurde es zwischen 1400 und 1402 mit Stadtmauern versehen.

Castellina ist von einer alten Burg beherrscht, der aus einem sehr hohen Schutzgebäude mit majestätischem Aufbaudeck besteht, und bewahrt Befestigungen und typisch mittelalterliche Merkmale, wie die eindrucksvolle Via delle Volte. Der Stadtkern bewahrt zum Teil seinen Aussehen des 14-15 Jahrhunderts. 100 Meter vom Stadtkern entfernt, auf der Strasse nach Greve, befindet sich ein groß etruskisches Grab aus dem VI Jahrhundert v. Chr: der Tumulo di Montecalvario. Es handelt sich um die interessanteste örtliche archäologische Entdeckung, ein Zeugnis der alten menschlichen Anwesenheit in Chianti. Zahlreich und alle interessante sind die Kirchen in der Umgebung, besonders die romanische Kirche von San Martino a Cispiano, mit einer schönen Apsis und einzigem Schiff. Bemerkenswert ist auch die Kirche von San Leonino in Conio, in der ist die Madonna col Bambino von Lorenzo di Bicci beherbergt. Das Dorf Fonterutoli ist eine andere an Geschichte reich Ortschaft von Chianti. In seiner Nähe liegt die Nekropole von Poggino, mit Überresten einiger etruskischen Gräber.

Villa a Sesta, Castelnuovo Berardenga, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Villa a Sesta, Castelnuovo Berardenga, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Am südlichen Hang des Chianti, 20 km von Siena entfernt, liegt Castelnuovo Berardenga, ein Befestigungsdorf in hügeliger Lage zwischen den Flüssen Ombrone und Malena. Diese Agrargegend ist vor allem dem Anbau von Weinrebe und Kunstgewerbe gewidmet. Der Schloss wurde 1366 von der Republik Siena als Überwachungsburg über das Gebiet Berardenga gegründet. Derzeit sind nur ein Turm und wenige Überreste übrig geblieben. In der Umgebung von der Ortschaft Pacina befindet sich die bemerkenswerte Pfarrkirche von Santa Maria Maddalena, aus mittelalterlichem Ursprung.

Ebenso eindrucksvoll ist das kleine Befestigungsdorf von San Gusmé, mit zwei alten Toren aus Stein mit Flachbogen. Auf hübscher hügeliger Lage über einem schönen Tal liegt Vagliagli, mit dem beiliegenden Schloss Aiola. In diesem Gelände ragt durch ihre Majestät die Certosa di Pontignano hervor, gegründet 1341 und in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts wieder erbaut. Einst Eigentum der Camaldolesi, beherbergt heute die Certosa ein Studenteninternat, und ist Sitz von Wissenschaftskonferenzen und Ausstellungen. Auch der Poggio di Montaperti ist wert einen Besuch. Eine kleine Pyramide erinnert an den Kampf zwischen Florenz und Siena, dass hier am 4 September 1260 stattfand. Dieser berühmte Kampf ist auch in einem Gedicht der Göttlichen Komödie erwähnt.  (Dante Alighieri, Inferno, X, 85-86).

Badia a Coltibuono, Gaiole in Chianti, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Badia a Coltibuono, Gaiole in Chianti, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Wenn man gegen Nord hinaufsteigt, stoßt man auf Gaiole in Chianti, einen Weinbau-und Touristenzentrum, von stark bebauten Hügeln umgeben. Das Dorf entwickelte sich als Marktort während des XIII Jahrhunderts, und wurde eine der Hauptstädte der alten Chiantibund mit Castellina in Chianti und Radda. Ein wenig westlich von dem Stadtkern, in einer Landschaft von Wäldern und Weinreben eingebettet, befinden sich zwei mittelalterliche Befestigungsdörfer: die Pfarre von Santa Maria a Spaltenna (erste Hälfte des XII Jahrhunderts) und das Dorf Vertine, ein Burg aus dem X Jahrhundert, der ist innerhalb einer ovalförmigen Mauergrenze enthalten, mit Eingangstor und Wachturm.

Unter den Hauptsehenswürdigkeiten von ganzen Chianti ist der Schloss Brolio unbedingt zu besichtigen. Heute Sitz einer der größten Weinfirmen, stellt der Schloss eine der ersten Festungswerke in der Toskana dar. Erbaut von den Florentinern nach 1484 auf den Fundamenten eines älteren Gebäudes, zeigt der Schloss eine polygonale Einfriedung. Innerhalb dieser Einfriedung erhebt sich der weite Palast in romanischem Stil, erbaut 1860 von dem Architekt Marchetti im Auftrag des Barons Bettino Ricasoli. In der Umgebung sind auch die Schlösser von Meleto und Cacchiano zu sehen. Meleto wurde vermutlich mit Festungen im XII Jahrhundert versehen, und zum Bauernhof im 18. Jahrhundert umgewandelt. Er bewahrt majestätische Wachtürme und beherbergt ein raffiniertes Theater. Der Schloss von Cacchiano gehört seit dem XIII Jahrhundert zur Familie Ricasoli. Eindrucksvoll ist auch die alte Abtei in Coltibuono, gegründet 1049. Die Abtei gehörte lange zu den Benediktiner, dann wurde sie auch zum Bauernhof umgewandelt. Unter den Pfarren sind die von San Giusto in Salcio und San Polo in Rosso zu erwähnen.

Weinberge im Spätsommer, Radda in Chianti, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Weinberge im Spätsommer, Radda in Chianti, Siena. Autor und Copyright Marco Ramerini

Wir fahren weiter und erreichen Radda in Chianti. Radda ist auf einem Felsvorsprung zwischen den Pesa und Arbia- Tälern gelegen. Derzeit ist Radda besonders ein Agrarzentrum mit einer ausgezeichneten Weinproduktion. Das Dorf darf sich einer alten Geschichte rühmen : die Grafen Guidi verkauften es zu Florenz im Jahr 1203. Radda wurde im fünfzehnten Jahrhundert mit Befestigungen versehen. Ab 1415 war sie Hauptstadt der Chiantibund, zu der gehörten auch Castellina in Chianti und Gaiole in Chianti. Im Jahr 1478 erlitt es Zerstörungen von den Papsttruppen des Herzogs von Calabria. Radda bewahrt immer noch einige Stücke der Stadtmauer, die Türme der alten Befestigungsstadt, sowie den ellipsenförmigen Städtebau typisch des Mittelalters. Im Stadtkern sind verschiedene bemerkenswerte Paläste zu sehen (unter anderen der Palazzo del Podestà, mit Wappen versehen, und das Franziskanerkloster von Santa Maria al Prato, Sitz des Museums Kirchlicher Kunst, mit Werken aus der Kirchen von Radda und Gaiole in Chianti).

Nicht weit von Radda entfernt, an der Strasse nach Panzano, erreicht man das Dorf Volpaia. Ursprünglich war diese Ortschaft ein mittelalterliches Befestigungsdorf. Der gleichnamige Schloss entstand vermutlich um dem X Jahrhundert an der Grenze zwischen Florenz und Siena. Wegen seiner über dem Pesa- Tal dominierenden Lage, hatte der Schloss eine wichtige Verteidigungsrolle. Derzeit sind wenige Stücke der ursprünglichen Festung geblieben, aber das Dorf bewahrt noch ein schönes Aufbaudeck im Mittelpunkt eines kleinen Platzes, sowie verschiedene mittelalterliche restaurierte Häuser. Innerhalb des Mauerrings befinden sich auch die Ruinen der Kirche von Volpaia. Das wertvollste Gebäude muss aber die Commenda di Sant‘ Eufrosino sein, eine Struktur des 15 Jahrhunderts, dem heiligen Bischof und Evangelisierer des Chianti gewidmet. Derzeit beherbergt das Gebäude Kunstausstellungen und Veranstaltungen. Nicht weit von Volpaia, in einer schönen Landschaft eingetaucht, liegt die romanische Pfarre von Santa Maria Novella, die in der Vergangenheit eine sehr wichtige Rolle hatte. Bemerkenswert sind die vorromanischen Kapitellen mit tierförmigen Gestalten, eine absolute Seltenheit in Chianti.

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